Gestern Heute Morgen - Fünf Erinnerungsorte für das Pogrom von Rostock Lichtenhagen 1992

Im August 1992 erlebte Rostock-Lichtenhagen mehrtägige rassistische Ausschreitungen, die sich gegen osteuropäische Asylbewerberinnen und Asylbewerber und ehemalige vietnamesische Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter richteten. Diese wurden – teils unter dem Beifall von bis zu 3.000 Zuschauenden – mit Steinen und Brandsätzen angegriffen. Feuerwehr­einsätze wurden behindert, Polizeikräfte verhielten sich passiv, zogen sich zeitweilig zurück und überließen die Opfer ihrem Schicksal. Schauplatz der Attacken war das wegen seiner Fassadengestaltung so genannte »Sonnenblumenhaus«, in dem damals etwa 120 Menschen aus Vietnam lebten und in dem sich auch die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber (ZAST) befand.

Seit diesen Geschehnissen galt es für die Stadtgesellschaft, Antworten auf die Frage zu finden, wie sie diese Ereignisse aufarbeiten und dabei zugleich politische Verbindungen zur Gegenwart herstellen kann. Vor diesem Hintergrund beschloss die Rostocker Bürgerschaft im September 2015, den Kunstwettbewerb »Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992« auszu­loben. Zum 25. Jahrestag des Pogroms wird der Siegerentwurf Gestern Heute Morgen der [Künstlergruppe SCHAUM](Alexandra Lotz und Tim Kellner) an fünf Standorten realisiert, die konkrete Bezüge zu den rassistischen Handlungen und ihren gesellschaftlichen Kontexten aufweisen.

Ein gemeinsames, wiedererkennbares Merkmal der fünf Elemente des dezentralen Kunstwerks ist die kubische, weiße Form, die an leere Sockel für Skulpturen erinnert. Diese symbolische »Leerstelle« verweist darauf, dass die Beteiligung des Publikums für das Funktionieren der künstlerischen Arbeit ausschlaggebend ist. Jeder der fünf Kuben ist, dem jeweiligen Standort entsprechend, spezifisch gestaltet und betitelt. Eine Schriftplatte mit der Internetadresse www.rostock-lichtenhagen-1992.de stellt den Zusammenhang zwischen Anlass und Kunstwerk her.

Die Kunstwerke wollen keine Antworten oder Schuldzuweisungen geben, vielmehr befragt SCHAUM in allen Figuren die Sicht- und Handlungsweise des Einzelnen. Wie hätten wir gehandelt – wie handeln wir – und wie werden wir in Zukunft mit dieser Problematik umgehen? SCHAUM appelliert an die Mitmenschlichkeit – die Empathie – und verweist durch die Titel der Figuren gleichzeitig auch auf die Säulen der Demokratie. Denn nur wenn alle demokratischen Kräfte wirken, funktioniert eine Gesellschaft. 

Weitere Informationen zu den Kunstwerken und ihren Standorten finden Sie hier: